Siegen Feierstunde ließ Wendezeit lebendig werden

Bild: Siegen Feierstunde ließ Wendezeit lebendig werden
0310f4ab84cd5a2.jpg – Steffen Mues

Dass das Thema „Deutsche Einheit“ für die Siegenerinnen und Siegener ein wichtiges positiv besetztes Thema ist, wurde jetzt am 3. Oktober wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gut 100 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung von Bürgermeister Steffen Mues (CDU)  zur Feierstunde im Historischen Ratssaal des Rathauses Siegen gefolgt. Für die stimmige musikalische Umrahmung sorgte das Streichquartett der Fritz-Busch-Musikschule der Universitätsstadt Siegen.
 
Siegens Bürgermeister Steffen Mues fokussierte in seiner Rede die besondere Beziehung, die Siegen zu seiner vogtländischen Partnerstadt Plauen (Freistaat Sachsen) pflegt. Nur wenige Wochen nach dem Fall der Mauer reisten Vertreter der Stadt Siegen, Politiker und Handwerker, nach Plauen und knüpften erste Kontakte vor Ort; nachdem der „Runde Tisch“ zugestimmt hatte, konnte am 3. August 1990 die Vereinbarung über die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Städten unterzeichnet werden. Gemäß dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützten in der Folge viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung, aus Verbänden und Vereinen, aber auch zahlreiche Handwerker bzw. Privatunternehmen aus Siegen die Stadt Plauen beim Übergang zur kommunalen Selbstverwaltung und zur Marktwirtschaft.
 
Mues wies in seiner Rede auch auf die Vorgeschichte des Mauerfalls hin und erinnerte daran, dass sich am 7. Oktober 2014 zum 25. Mal der Tag jährt, an dem in der ehemaligen DDR die erste friedliche Demonstration gegen das SED-Regime stattfand: „Und dieses denkwürdige Ereignis fand eben nicht, wie es in allen Geschichtsbüchern geschrieben steht, in Dresden oder Leipzig, sondern in Plauen statt, einen Tag vor Dresden und zwei Tage vor Leipzig!“ Der selbstlose Einsatz der jungen Menschen damals, so Siegens Bürgermeister weiter, dürfe niemals als etwas Selbstverständliches hingenommen bzw. gar vergessen werden.
 
Nahtlos inhaltlich an schloss sich der Vortrag des Festredners der Siegener Feierstunde, Prof. Dr. Thomas Großbölting. Der Münsteraner Historiker nahm die Friedliche Revolution im Herbst 1989 mit ihrer Vorgeschichte, der Ausreisewelle seit den ersten Septembertagen, genauestens unter die Lupe und vermittelte lebendige Eindrücke des Gefühlszustands der damaligen DDR-Bürger. Der ehemalige Leiter der Abteilung Bildung und Forschung bei der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen machte anhand der Biografie des Vaters des bekannten DDR-Bürgerrechtlers Roland Jahn auch deutlich, wie problematisch pauschale Labels wie „Unrechtstaat“ sein können. Dem heutigen „Silberpaar“ Bundesrepublik Deutschland attestierte Thomas Großbölting eine durchaus gute Ehebilanz, mit den üblichen Höhen und Tiefen, aber durchaus Potenzial für die Zukunft, einen ehrlich-selbstkritischen Blick zurück immer vorausgesetzt.