Siegener Stadtfest: Unbeschwert feiern – Aber bitte klimaneutral

Bild: Siegener Stadtfest: Unbeschwert feiern – Aber bitte klimaneutral
Klimafreundliches Stadtfest 2023 1 Gross – Steffen Mues

Das Siegener Stadtfest ist die größte Party im weiten Umkreis. Mehr als 100.000 Menschen haben in den letzten Jahren an den jeweiligen Veranstaltungswochenenden die Innenstadt besucht, das Programm aus Musik, Information und Aktion genossen und sich von dem vielfältigen gastronomischen Angebot verwöhnen lassen.

Die Stadt Siegen als Veranstalterin ist froh über diesen anhaltenden Publikumserfolg. Gleichzeitig sieht sie sich in der Verantwortung, als Kommune einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, auch, wenn es ums Feiern geht.

Klimaneutral war das Siegener Stadtfest erstmals 2022. Die Erfahrungen des letzten Jahres wurden ausgewertet und für 2023 weitere Maßnahmen beschlossen, um den schädlichen CO2-Ausstoß zu verringern. Damit diese Maßnahmen wirken, ist jedoch eins wichtig: Je mehr Besucher gewonnen werden können, sich klimabewusst zu verhalten, desto größer ist der Effekt.

Jeder hinterlässt einen CO2-Fußabdruck

Um was es geht, wird deutlich, wenn man die Zahlen sprechen lässt. Von der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Siegen wurde mit Hilfe des Eventrechners des Umweltbundesamtes ermittelt, dass im Jahr 2022 insgesamt 441,6 Tonnen CO2 durch das Stadtfest emittiert wurden. Diese Rechnung basiert auf Daten zur Anzahl der Besucher, ihre Anreisestrecke, der genutzten Transportmittel, der Anzahl der verzehrten Mahlzeiten, deren Art und Zubereitung.

Das für die meisten wohl überraschende Ergebnis: Der Großteil der Emissionen beim Stadtfest entfällt mit 263,7 Tonnen CO2 auf den Bereich Ernährung. Dagegen steht die Mobilität nur an zweiter Stelle mit 177,3 Tonnen CO2.

Anschaulich werden diese Zahlen, wenn man sie auf Vergleichswerte bezieht:

Der durchschnittliche CO2-Fußabdruck eines Menschen pro Kopf und Jahr in Deutschland beträgt 10,8 Tonnen CO2. Das Stadtfest hat also bei 106.000 Besuchern und rund 25 Feststunden so viele Emissionen verursacht wie 41 Menschen sonst im ganzen Jahr. Ziel ist es vor diesem Hintergrund, den CO2-Fußabdruck jedes Einzelnen zu verkleinern und damit die Gesamtmenge an Emissionen.

Vermeiden – Vermindern – Kompensieren

„Ein zu 100 Prozent klimaneutrales Stadtfest ist eines, das gar nicht erst stattfindet. Lebenswirklichkeit und Lebensfreude blieben bei einer solchen statistischen Betrachtung auf der Strecke. Die Stadt Siegen folgt deshalb bei ihren Klimaschutzbemühungen dem Motto: Vermeiden, Vermindern, Kompensieren“, erklärt Bürgermeister Steffen Mues.

Wie wird das umgesetzt? Zum Beispiel in der Weise, dass das Stadtfest ausschließlich mit grünem Strom betrieben wird. Des Weiteren, da das gastronomische Angebot eine große Rolle spielt, wurde bei der Auswahl der Standbetreiber für 2023 verstärkt darauf geachtet, dass diese aus der Region kommen, also keine langen Anfahrtswege haben, und regionale Produkte anbieten bzw. verarbeiten. Die Zahl der Anbieter von Fleisch- und Wurstwaren wurde zugunsten vegetarischer Angebot reduziert.

Einweggeschirr ist untersagt. Geschirr und Besteck müssen wiederverwertbar bzw. rückstandslos biologisch abbaubar sein. Das sind Auflagen, die den Standbetreibern bereits vor Vertragsabschluss bekannt sind und die sie mit ihrer Unterschrift bestätigen.

Die Besucher/-innen kommen ins Spiel, wenn es um die Mülltrennung geht. Auch in diesem Jahr wird die Stadtreinigung auf dem Veranstaltungsgelände Behältnisse aufstellen, in denen Papier-, Rest- und Biomüll getrennt voneinander entsorgt werden können. Leider waren die eingesammelten Abfälle beim letzten Fest weit entfernt davon, sortenrein zu sein. Es wurde alles, was anfiel, in eine Tonne geklopft. Dabei gehört zum Beispiel die Pommes-Schale aus Pappe in den Biomüll, nicht in die Papier- oder Restmülltonne.

Bürgermeister Steffen Mues: „Wir appellieren deshalb an unsere Gäste, die vorhandene Behälter-Infrastruktur zu nutzen und bewusster mit der Entsorgung umzugehen, auch wenn der Abend spät und die Stimmung auf dem Höhepunkt ist.“

Mit dem Bus kostenlos zum Fest

Beim Thema Mobilität hat die Stadt Siegen ihr Anreiz-Angebot gegenüber 2022 erweitert. Während 2022 kostenlose Sonderlinien verkehrten und im Linienverkehr der reguläre Tarif erhoben wurde, sind 2023 Shuttlebusse unterwegs und zusätzlich ist im Altkreis Siegen die Fahrt in die Siegener City frei.

Im Auftrag der Stadt Siegen stellt der heimische ÖPNV-Dienstleister WERNGroup Sonderbusse bereit, die auf folgenden Linien verkehren:

  • S1: Siegen ZOB – Weidenau – Geisweid – Kreuztal
  • S2: Siegen ZOB – Deuz über Kaan – Feuerbach – Netphen – Dreis Tiefenbach nach Siegen ZOB (gegenläufiger Rundverkehr)
  • S3: Siegen ZOB – P&R Seelbacher Weiher – Lindenberg – Freudenberg
  • S4: Siegen ZOB – Gosenbach – Oberschelden – Achenbach – Siegen ZOB (gegenläufiger Rundverkehr)
  • S5: Siegen ZOB – Rödgen – Wilnsdorf – Burbach – Wahlbach – Neunkirchen – Siegen ZOB (gegenläufiger Rundverkehr)

Darüber hinaus kann der reguläre Linienverkehr im Altkreis Siegen ab Freitag, 25. August, 17.00 Uhr, bis Sonntag, 27. August, Betriebsschluss, kostenlos genutzt werden. Lediglich außerhalb des Altkreises Siegen sind am Festwochenende Busfahrten im Linienverkehr kostenpflichtig. Das Liniennetz und der Fahrplan der Busverbindungen sind auf der Homepage www.siegener-stadtfest.de über einen Link zu den Verkehrsbetrieben Westfalen-Süd (VWS) zu finden.

Aus Haushaltsmitteln stellt die Stadt Siegen für diesen Service ca. 45.000 Euro bereit, in der Hoffnung, dass noch mehr Menschen als Vorjahr vom PKW auf den Bus umsteigen.

Wer mit dem Fahrrad zum Fest kommen möchte, kann sein Gefährt auf den in unmittelbarer Nähe des Festgeländes vorhandenen Stellplätzen parken oder dem zusätzlich eingerichteten Fahrradparkplatz in der Fißmer-Anlage neben der Nikolaikirche. Auch zur Lage der Fahrradstellplätze finden sich Informationen auf der Stadtfest-Homepage.

Vollkommen emissionsneutral wird das Siegener Stadtfest 2023 durch die genannten Auflagen und Anreize nicht, auch wenn letztere beim Publikum gut ankommen. An Klima-Agenturen, wie zum Beispiel Atmosfair und MyClimate, wird eine Kompensationszahlung erforderlich sein.

Die Emissionen des letztjährigen Stadtfestes wurden so durch Unterstützung von Klimaschutzprojekten in Höhe von etwas mehr als 10.000 Euro anderweitig wieder eingespart. Pro emittierten Tonne CO2 sind das etwa 23 Euro. Viel schädlicher als die Verausgabung von Haushaltsmitteln ist jedoch die langfristige Wirkung des produzierten CO2-Ausstoßes.

Der Appell an alle Besucherinnen und Besucher des Siegener Stadtfestes lautet deshalb: Unbeschwert feiern und mitmachen beim Vermeiden und Vermindern der Treibhausgasemissionen.

Quelle: https://www.siegen.de